Die digitale Zukunft: Für Bildungssysteme hat sie gestern schon begonnen - News auf topsoft

Die digitale Zukunft: Für Bildungssysteme hat sie gestern schon begonnen

Wenn ein neuer Megatrend wie die Digitalisierung sich ausbreitet, zwingt dies die Bildungssysteme zur Veränderung und Adaption. Einerseits müssen neue Werkzeuge bereitgestellt werden.  Andererseits verändern die digitalen Tools und Prozesse in der Wirtschafts- und Arbeitswelt auch die Kultur der Zusammenarbeit. Weiter stellt das Timing eine Herausforderung dar: Ausbildungsstätten sollten möglichst früh die neuen Kompetenzen erwerben, damit sie sie den Bildungswilligen vermitteln können. Doch wer bildet ihrerseits die (Fach-)Hochschulen aus?

Zwei Frauen geben Einblick, wie sie digitale Transformation im Zusammenspiel mit dem Thema Bildung sehen und erleben.

 

Priska Altorfer
CEO des Softwareunternehmens wikima4, Mutter von 5 Kindern, Beirätin SWONET

 

Sie engagieren sich aktiv bei «donna informatica» und unterstützen Firmen beim Diversity Management. Warum sind Frauen im IT-Umfeld heute immer noch untervertreten?

Frauen haben in den letzten Jahren viel gemacht, um aktiv am Berufsleben teilzunehmen. Die Gesellschaft aber ist noch nicht so weit. Wir haben immer noch einen sehr grossen «unconscious bias» (unbewusste Voreingenommenheit), gerade in männerdominierenden Berufen. Sich als Frau dort zu bewähren und wohl zu fühlen verlangt einiges an Durchhaltewillen und Kraft. Was besonders fehlt, sind Unternehmen, die Frauen entlang der Karriereleiter bewusst oder eben gleich wie Männer fördern. Hier sind im Speziellen die Schweizer KMUs gefordert.

 

SWONET setzt auf den Claim: «Frauen sind die Gewinnerinnen der Digitalisierung». Wunschdenken oder Realität?

Digitalisierung ermöglicht ortsunabhängiges Arbeiten – ein grosses Plus für Mütter. Es erlaubt auch den Zugang zu Märkten, die den Frauen verschlossen waren. Wir möchten aber Frauen nicht nur als digitale «Konsumenten» sehen, sondern auch als Gestalterinnen der Zukunft. Da sehe ich grossen Handlungsbedarf. Wir müssen die Faszination der gestalterischen Ebene der Informatik mit den «smarten Algorithmen» den Frauen näherbringen. Frauen mit ihren Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen haben in diesen komplexen Abläufen einen Vorteil.

 

Wie haben Sie sich, noch zu einer Zeit, als das IT-Umfeld als besonders «untypisch» galt für Frauen, das neue Fachwissen erworben?

Mit viel Neugier, «Training on the Job» plus Fachkursen halte ich mich fit im Beruf. Die Welt ändert sich permanent, die Komplexität in der Informatik nimmt stetig zu. Die Erfahrung hilft, diese besser zu erfassen.

 

Wie beurteilen Sie die Schweizer Bildungslandschaft im Spannungsfeld der Digitalisierung? Was muss sie anbieten, damit wir morgen die richtigen Fachleute haben?

Die Menschen müssen lernen, was mit digitalen Mitteln gelöst werden kann und was mit analogen. Dieses Wissen fehlt zurzeit bei vielen Personen. Der Lehrplan 21 trägt dazu bei, dies zu verbessern. Problematisch empfinde ich Grabenkämpfe, wem die Digitalisierung «gehört», und Klassifizierung: Wir brauchen nicht nur Top-IT-Architekten – wir müssen auch schulschwächeren Kindern den Einstieg in die Informatik gewährleisten und Kurse auf allen Bildungsstufen anbieten.

 

Welche Empfehlung geben Sie ambitiösen Frauen mit auf den Weg?

Verfolgen Sie Ihre Träume, trotz Hindernissen. Versuchen Sie nicht, alles verbessern zu wollen. Finden Sie Mitstreiterinnen, bilden Sie Allianzen. Helfen Sie auch anderen jungen Frauen. Und besinnen Sie sich auf die eigene Kraft.

 

 

Sunnie J. Groeneveld
Unternehmerin, IT-Verwaltungs­rätin, Beirätin SWONET

 

Sie sind Studiengangsleiterin des Executive MBA Digital Leadership an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Seit wann gibt es diesen Studiengang und wem empfehlen Sie ihn?

Die HWZ hat die Lancierung des Executive MBA (EMBA) Programmes in Digital Leadership im vergangenen März kommuniziert. Aktuell kann man sich für die erste Durchführung unter fh-hwz.ch/embadl einschreiben. Start ist ab Februar 2020.

Das EMBA Programm basiert auf den drei Säulen «Digital Business and Technology», «Digital Culture and Leadership» und «Digital Vision» und fokussiert nebst der Vermittlung eines fundierten digitalen Technologieverständnisses auf die persönliche Entwicklung sowie die unternehmerische und kommunikative Kompetenz der Teilnehmenden. Ich empfehle das berufsbegleitende Programm insbesondere praxisorientierten Führungskräften, die digitale Ambitionen in ihrer Führungskarriere hegen, mehr Verantwortung für digitale Projekte übernehmen oder die digitale Vision ihrer Organisation entscheidend mitgestalten wollen.

 

Inwiefern unterscheidet sich die «Digital Leadership» von einer «Leadership», wie wir sie bisher kannten?

Digital Leaders sind Führungskräfte, die nebst einem erhöhten Technologieverständnis begeisterungsfähiger, inspirierender, flexibler und teils risikobereiter sind als ihre Vorgänger. Sie verstehen ihre Rolle primär als Coaches, die ihr Team befähigen und Kollaborationen auch über ihr Team hinaus vorantreiben. Sie sind offen und flexibel gegenüber neuen Arbeitsmodellen, kennen die Vorteile eines iterativen Vorgehens sowie datenbasierter Entscheidungsgrundlagen und kombinieren diese mit ausgeprägter Empathie und Kommunikationsfähigkeit – online als auch offline. Ein weiteres Kernelement ist die unternehmerische Haltung und ausgeprägte Kundenorientierung.  Und: Digital Leaders lernen jeden Tag dazu – und sind ein Stück weit «paranoid», sprich: wachsam, da jederzeit etwas um die Ecke kommen kann, das ihr bestehendes Geschäft disrumpiert.

 

Wie sehen Sie die Chancen von Frauen im Rahmen der digitalen Transformation?

Eigenschaften für Digital Leadership wie die Empathie-, Kommunikations- und Kollaborationsfähigkeit sind oftmals Stärken von weiblichen Führungskräften. Nur erlebe ich es leider immer noch zu oft, dass sich Frauen mit dem Vorbehalt, dass Technologie Männersache sei, selbst aus dem Rennen nehmen. Es hilft auch nicht, dass in der Tech-Welt die meisten der Top-Executives wie auch die visiblen Tech­Idole – Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos etc. – alle männlich sind. Es fehlen die weiblichen Vorbilder.

 

Welche Empfehlung geben Sie ambitiösen Frauen mit auf den Weg?

Setzt euch mit der Digitalisierung und den technologischen Treibern auseinander. Bildet euch dazu weiter. Und helft mit, andere Frauen dafür zu begeistern, Technologien nicht nur zu konsumieren, sondern mitzuentwickeln.

 

Autorin:

Judith Niederberger, Lakritza Communications im Auftrag von SWONET