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Die hiesige Onlinehandels-Landschaft noch fest in Schweizer Händen

Etwa 7.6% des Schweizer Detailhandelsumsatzes wird online erzielt, im Non-Food Bereich ist es gar jeder 7. Franken mit einem Onlineanteil von 14.2%. Das Ranking der umsatzstärksten Onlineshops in der Schweiz zeigt: Die Händler mit den höchsten Umsätzen stammen mehrheitlich aus der Schweiz. Der Wettbewerbsdruck vom Ausland wird aber grösser. Eine Einschätzung zum Status quo.

 

Auch dieses Jahr hat Carpathia wieder das Ranking der umsatzstärksten Schweizer Onlineshops 2018 publiziert. Die Zahlen basieren auf den Umsätzen, die Onlineshops im Jahr 2017 in der Schweiz erzielten. Die Daten setzen sich aus bekannten öffentlichen Angaben, Unternehmensinformationen und aus durch eine Expertengruppe verifizierte Zahlen zusammen.

 

Das Carpathia Ranking gibt es als A1-Poster zum kaufen oder als kostenlosen PDF-Download 

 

Top 10 Onlineshops mehrheitlich aus der Schweiz

Digitec führt das Ranking in der Kategorie B2C mit einem Umsatz von CHF 690 Millionen an. Ihm dicht auf den Fersen ist aber schon Zalando mit einem Umsatz von CHF 685 Millionen. Auf dem dritten Rang steht Amazon – sein Umsatz in der Schweiz für amazon.de wird auf CHF 575 Millionen geschätzt.

Ein Blick auf die top zehn Händler im B2C-Ranking zeigt: Die Schweizer Digital-Commerce-Landschaft ist zu einem grossen Teil noch in Schweizer Hand: Auf den Rängen sieben bis zehn ist neben Zalando und Amazon einzig noch AliExpress aus dem Ausland. Verglichen mit den Märkten Deutschland oder Österreich grenzt dies an ein Wunder: In den Nachbarländern wird die Onlinehandels-Landschaft von Amazon dominiert.

Die Top-10 wachsen rasant. Gegenüber dem Vorjahr verzeichneten die zehn grössten Onlinehops der Schweiz ein Umsatzwachstum von über CHF 630 Mio. Sie konnten damit rein umsatzseitig in einem Jahr mehr zulegen als das grösste Einkaufszentrum der Schweiz, das Glatt-Zentrum, in einem Jahr an Umsatz erwirtschaftet.

 

Zalando zeigt vor, wie Cross-Border geht

Wichtigste Gründe für diesen Status quo bei den Top 10 sind gewisse Eigenheiten des Schweizer Marktes, die bisweilen wie eine unsichtbare Handelsschranke für ausländische Mitbewerber gewirkt haben. Für grosse Player wie Amazon waren Gewichtszölle, die eigene Landeswährung oder die Mehrsprachigkeit bisher ein zu grosses Hindernis und der kleine Schweizer Markt im Verhältnis dazu zu wenig interessant. So blieb das Feld für Schweizer Onlinehändler frei, die sich die Marktanteile sicherten und – wie es Digitec mit dem ersten Rang beweist – bis heute halten konnten.

Immer mehr stellt sich aber die Frage, wie lange das noch so bleiben wird. Zalando, der schon seit 2011 in die Schweiz liefert, macht es vor. Für die deutsche Fashion-Plattform ist die Schweiz ein wichtiger Markt und inzwischen ist Zalando die Nummer eins im Schweizer Modehandel, seit er 2017 H&M den Rang abgelaufen hat.

Zalando hat also bewiesen, dass und wie Cross-Border in die Schweiz möglich ist. Die Befürchtung hiesiger Onlinehändler ist, dass es ihm Amazon bald nachmachen wird. Nachdem Amazon im November letzten Jahres seinen offiziellen Markteintritt für Mitte 2018 bekanntgab, lagen die Nerven zeitweise blank. Die Gemüter haben sich jedoch insofern wieder beruhigt, als sich gezeigt hat, dass Amazon zumindest mit seinem FBA-Sortiment (Marktplatz-Sortiment) wohl doch nicht so schnell in die Schweiz kommen wird.

 

Flut von Kleinsendungen aus Asien

Während Zalando und Amazon schon seit einigen Jahren ihren Platz auf dem Ranking haben, sind die Namen Wish und AliExpress vergleichsweise neu. Die zwei Händler stehen stellvertretend für die riesige Flut von Kleinsendungen aus Asien, die täglich die Schweizer Zollstellen fluten (im 2017 täglich 45'000 Pakete). AliExpress wie auch Wish konnten ihre in der Schweiz im vergangenen Jahr geschätzten Umsätze mehr als verdoppeln. AliExpress hat seinen Platz in den Top 10 im Ranking schon gefunden, ob Wish dies im nächsten Jahr auch gelingt, bleibt abzuwarten.

Die Zahlen zeigen: Auch wenn der Schweizer Onlinehandelsmarkt mehrheitlich noch in Schweizer Hand liegt, wird der Druck vom Ausland grösser, die Schranken scheinen langsam einzubrechen, der Wettbewerb wird härter. Insbesondere für kleinere Onlinehändler wird es schwieriger, sich zu behaupten.

 

https://blog.carpathia.ch/poster2018/

 

Über Carpathia

Carpathia ist die führende neutrale und unabhängige Unternehmensberatung für Digital Business, Digital Commerce und Digitale Transformation im Handel. Unser Team vereint über 50 Jahre Erfahrung im Online- und Omni-Channel-Handel sowie mit elektronischen Geschäftsprozessen. Über 100 Kunden mit einem konsolidierten Onlineumsatz von mehr als 3 Milliarden Franken vertrauen auf die neutrale Expertise von Carpathia. Carpathia ist zudem Initiator und Organisator der Connect – Digital Commerce Conference und des Digital Commerce Awards sowie Verfasser des meinungsführenden Blogs zu Themen rund um die Digitalisierung von Handel und Geschäftsprozessen: blog.carpathia.ch

 

 

Die Autorin

Alexandra Scherrer ist Digital Business Consultant bei Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Beratungsagentur für Digital Commerce. In ihrer Funktion unterstützt sie grosse und kleine Unternehmen unterschiedlicher Branchen aus B2C und B2B bei der Strategie-Erarbeitung, -Konzeption und -Umsetzung. Zu dieser Tätigkeit gehören auch Analysen und Erhebungen im Schweizer Digital-Commerce-Umfeld. Neben der Beratungstätigkeit arbeitet Alexandra Scherrer als Mitgründerin und Mitinhaberin an der Entwicklung ihrer Online-Kunstplattform.