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Dr. Müllers Notizen zur User Experience: 5. Millersche Zahl

Das Thema Usability beschäftigt viele Unternehmen und wird in Zukunft auch immer wichtiger. Der Spezialist Dr. Christopher H. Müller von Die Ergonomen Usability AG in Zürich erklärt hier im Blog in regelmässigen Abständen die verschiedenen damit zusammenhängenden Fachausdrücke und gibt wertvolle Tipps zum Thema.
Im 5. Teil der Blogreihe geht es um die "Millersche Zahl".

 

Einem gewissen George A. Miller sei Dank, dass wir heute um die Grenzen unseres Hirns etwas besser Bescheid wissen. Er hat 1956 postuliert, dass der Mensch gleichzeitig nur 7 ± 2 Informationseinheiten im Kurzzeitgedächtnis bereithalten kann. Das ist erstaunlich wenig und lässt sich, so scheint es. auch durch Training nicht verbessern.

Millers Befund ist aus Sicht der Ergonomie relevant, weil wir auf unser Kurzzeitgedächtnis angewiesen sind, wenn wir etwas erfassen, bewerten oder verstehen wollen. Werden wir mit Informationen überhäuft, läuft der Kurzzeitspeicher sozusagen über und wir haben keinen Zugriff mehr auf die überschüssigen Informationen. Deshalb ist es wichtig, komplexe Systeme in überschaubare Häppchen zu zerteilen, bevor man sie den Nutzern präsentiert.

Nimmt man Miller sehr ernst, wird höchstwahrscheinlich scheitern, wer in seinem Leben gleichzeitig mehr als sieben Ziele verfolgt. Es werden Teams schlecht funktionieren, wenn sie mehr als sieben Mitglieder haben. Berichte werden nicht gelesen, wenn sie mehr als sieben Gliederungsebenen haben. Und was unsere Themen hier betrifft: Websites mit mehr als sieben Hauptnavigationspunkten sollten wird skeptisch begegnen. Ebenso sollten wir Software mit einem Dutzend Dropdowns in der Menüleiste misstrauen.

Auch wenn die neuere Forschung gezeigt hat, dass die Zahl 7 nicht ganz so heilig ist, wie Miller damals meinte: Sie hilft als Faustregel, wenn es gilt, die Komplexität und damit die Erfassbarkeit eines Produkts oder Dienstes zu beurteilen. Denken Sie also daran: Der Mensch mag sich auf den ersten Blick wohl von einem grossen Angebot an Optionen beeindrucken lassen – im Alltag glücklich wird er damit nicht.

 

Der Autor:

Christopher Müller ist Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG

 

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