Was hat sich in 6 1/2 Jahren Cloud getan? - News auf topsoft

Was hat sich in 6 1/2 Jahren Cloud getan?

Vor 6 ½ Jahren erschien im topsoft Fachmagazin ein Text mit dem Titel "Business-Power aus der Wolke". Was hat sich seither verändert? Wo stehen wir heute? Der folgende Artikel bringt ein paar Antworten zu diesen Fragen.

 

 

Im Gegensatz zum damaligen Text würde die Diskussion über verschiedene Aspekte der Sicherheit von Cloud-Angeboten heute etwas weniger ausführlich ausfallen. Nicht, weil Sicherheitsaspekte nicht mehr relevant wären, sondern weil diese Aspekte heute von den Anwendern besser bewertet werden können und die Anbieter ihr technisches Handwerk noch weiter professionalisiert haben. Die mittlerweile grosse Menge von Geschäftsdaten in der Cloud hat bei vergleichsweise sehr wenigen Unfällen ein gewisses Grundvertrauen geschaffen. Dies auch in der Erkenntnis, dass gerade kleinere Unternehmen nicht in der Lage sind, eine ähnlich professionell geführte Server-Infrastruktur zu betreiben, wie das bei den Profis im Stil von Microsoft Azure etc. der Fall ist.

Einigen Raum nahmen damals Erklärungen ein, welche die Cloud-Technologie anhand der pyramidenförmigen Darstellung mit den Schichten IaaS, PaaS und SaaS erklärten. Diese Diskussion hat wohl schon damals nicht sehr interessiert und ist heute verschwunden. Verschwunden zugunsten einer Sicht, welche die Anwendung im Fokus hat und die Technik dazu als selbstverständlich voraussetzt.

Die Verbreitung von Software in der Cloud hat stetig zugenommen. Gerade über spezielle Tools hält die Cloud unbemerkt Einzug in Firmen. Wer kann denn schon etwas dagegen haben, Doodle für die Terminkoordination einzusetzen oder das Telefon«buch» online abzufragen?

Diese Cloud-Tools mit eng fokussiertem Einsatzbereich sind nicht gleichzusetzen mit umfassender Software, welche die Geschäftsprozesse "from order to cash” und noch viel mehr abdecken. In diesem Fall sind wir bei ERP-Software angelangt, dem Enterprise Resource Planning. Um eine traditionell programmierte ERP-Software zu einer Cloud Software zu transformieren, braucht es in der Regel eine Neuprogrammierung mit entsprechenden Programmiersprachen. Das ist ein extrem grosser Aufwand für die Softwarehäuser.

ERP in der Cloud

Vor 6 ½ Jahren wurde hier festgehalten, dass sich das Angebot von Cloud-fähigen ERP-Paketen noch in Grenzen hält. Wirklich grundlegend geändert hat sich das erstaunlicherweise nicht. Bei den ganz grossen Anbietern wie SAP oder Microsoft wurden riesige Investitionen getätigt. Deren wirklich Internet taugliche Software steht aber im Markt jetzt erst ganz am Anfang und bezüglich Leistungsumfang wird das Niveau der etablierten on-premise Lösungen noch nicht erreicht. Die Cloud Anbieter der ersten Stunde haben in der Zwischenzeit aber auch nicht geschlafen. Damals wurde eine reine Web-taugliche Software wie myfactory herablassend als “Schrumpf-ERP” belächelt, heute ist deren Funktionsumfang aber eindeutig in der oberen Liga angelangt.

Vor 6 ½ Jahren haben wir einen Test vorgeschlagen, um Cloud-Software als solche zu identifizieren. Dieser Test ging so: “Wenn die Lösung ohne Installation und ohne Daten zu hinterlassen in einem Internetcafé benutzt werden kann, handelt es sich mit Sicherheit um ein echtes Cloud-Produkt.” Diesen Test sollte man heute noch machen, auch wenn für das Internetcafé ein Ersatz zu finden ist - wo gibt es denn noch öffentliche Computer? Nützlich wäre dieser Test, weil sich nach wie vor ganz viele Anbieter ein Cloud-Mäntelchen umhängen, um wenigstens werbetechnisch mit dabei zu sein. Den Test würden sie aber nicht bestehen, dann zuerst ist da ein VPN-Tunnel zu etablieren und der Zugriff erfolgt mit Terminalserver wie Citrix.

Für Leute, die unterwegs sind, ist das einfach nicht mehr zeitgemäss. Zu gross ist der Aufwand, um sich schnell einzuloggen - folglich werden Daten auf andere Art festgehalten und stehen damit in der Firma auch nicht unmittelbar zur Verfügung. Versucht man trotzdem unterwegs auf diese Weise zu arbeiten, bricht die Verbindung gerne ab. Die Anbieter kennen das Problem durchaus und bieten deshalb Apps für Smartphones und Tablet-Computer an. Diese bieten zwar den einfachen und schnellen online Komfort, aber ein sehr reduziertes Funktionsspektrum. Ob das genügt, ist im Einzelfall sorgfältig zu klären.

Eine praxistaugliche technische Spielart zeigt abas, welche die gesamte Software über einen Webserver beispielsweise bei Amazon im Browser bedienbar macht. Neben der Technik, welche die Software "niederschwellig" in den Browser bringen soll, ist damals wie heute das betriebswirtschaftliche Modell wichtig. Die herkömmliche Art, dass Lizenzen gekauft werden müssen, hält sich hartnäckig und zwar zum Teil mit unglaublich unübersichtlichen, filigranen Abstufungen. Typische Tools, welche man im Web nutzt, bezahlt man pro Monat, kündbar sind sie auf Monatsende, die Leistungsabstufung ist auf typischerweise drei Stufen begrenzt. Das bieten bis heute die meisten ERP-Anbieter immer noch nicht an. Bei saisonalen Schwankungen der Belegschaft oder ungewissen Geschäftsperspektiven kann dieses Modell aber sehr interessant sein und passt ausgezeichnet zu Cloud-Applikationen.

Einige Praxiserfahrungen 

Wie schon vor Jahren postuliert, bietet das ERP aus der Cloud in vielen Fällen handfeste Vorteile. Mittlerweile kann man auf Erfahrungen von Anwender zurückgreifen. Naturgemäss gewöhnt man sich schnell an die positiven Aspekte (die wir an dieser Stelle nicht wiederholen) und bleibt bei den Schwierigkeiten hängen. Auf zwei häufig genannte Probleme gehen wir im Folgenden kurz ein, nämlich die Performance und die Ausbaubarkeit.

  • Im täglichen Betrieb wird die Performance genannt, die zu wünschen übriglassen kann, gerade wenn der Internetzugriff nicht so reaktionsschnell ist. Störend wird so etwas erst, wenn man serienweise Eingaben machen muss, wie beispielsweise beim Erfassen von Adress- oder Artikellisten. Die operative Hektik, die sich mit Hilfe einer Menge Tastenkombinationen auf einer lokalen Fat Client-Installation erzeugen lässt, bleibt bei der Bedienung im Browser lediglich eine nostalgische Erinnerung.

 

  • Cloud-Software ist dann so richtig einfach in Betrieb zu nehmen und zu halten, wenn sie in der Public Cloud liegt. Die Kehrseite von dieser Einfachheit ist die Grenze der Individualisierbarkeit. Je nach Software kann das Hosting in der Private Cloud wesentlich mehr Spielraum zulassen als in der Public Cloud. Allerdings muss die gesuchte Erweiterung nicht immer zwingend gleich direkt im Programmcode stattfinden. Für einen Kunden konzipierten wir die gesuchte, sehr spezielle Erweiterung so, dass der neu entwickelte Programmteil über die SOAP-Schnittstelle mit seinem ERP in der Cloud kommuniziert. Die Schnittstelle wird in diesem Beispiel bidirektional genutzt, um unter gewissen Voraussetzungen - von aussen angestossen - im ERP automatisch neue Artikel anzulegen. Damit bleibt sein Cloud-ERP im Standard und kann die speziellen Anforderungen trotzdem erfüllen.

Was sich in den 6½ Jahren nicht geändert hat, ist die Idee, dass ein ERP in der Cloud wenig oder sogar keine externe Unterstützung braucht für die Anpassung und Einführung. Diese irrige Auffassung rührt wohl daher, dass man schon in online Demoversionen sieht, wie schnell die Software verfügbar ist. Der Beratungsbedarf liegt aber auch bei klassischen Systemen nicht primär in der Installation der Software, sondern darin, diese auf die zu unterstützenden Prozesse hin zu konfigurieren, Mitarbeitende zu schulen, Daten vom Altsystem zu übernehmen, und so weiter.

Komplexität und Umfang dieser Aufgaben sind auch für kleine Firmen nicht zu unterschätzen. Sie bleiben gleich, egal ob die Software in der Cloud oder klassisch on-premise (lokal) betrieben wird. Dazu die externe Sicht und Unterstützung einzubeziehen lohnt sich auf jeden Fall. Es ist nicht nur eine Frage, wie lange sonst die eigenen Anstrengungen dauern, sondern auch wie viele Fehler man sich einhandelt, welche sich möglicherweise erst später bemerkbar machen, beispielsweise bei Auswertungen. Alles selber machen zu wollen ist nicht zielführend, aber das andere Extrem genau so wenig. Wer digitalisieren will, muss sich mit persönlichem “Körpereinsatz” in das Thema geben. “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” funktioniert leider auch hier nicht. Aber wir helfen Ihnen, dass Sie bei diesem Vorgang nicht ertrinken, sondern wunderbar sauber werden. Gerne verstehen wir diesen Hinweis als humorvolle Analogie, denn wir sind Digitalisierer, keine Wäscherei.