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Das nahende Ende des Software-Monolithen

Kolumne von Alain Veuve – In den letzten 10 Jahren habe ich eine ganze Reihe von Gründen gehört, warum man in Grossunternehmen nicht schneller digitalisieren könne. Erst dachte man oft, dass «unsere Kunden» ein digitales Angebot gar nicht wollten, später, als immer mehr Anzeichen dafür sprachen, dass Kunden ihr Verhalten rasch in Richtung «Digital» ändern, wurde in Frage gestellt, ob «sich das denn auch durchsetzen» werde und sich Investitionen in digitale Kanäle überhaupt lohnen würden. Viel von meiner Arbeit der letzten Jahre war Überzeugungsarbeit. 
 

Alain Veuve, Schweizer Unternehmer mit Fokus auf Technologie-Startups.
 
 

Digitale Transformation ist das Thema No. 1

Heute hat sich das Blatt gewendet; die «Digitale Transformation» ist DAS Thema Nummer 1 und es findet sich kein CEO, der nicht Digitalisierungsbestrebungen ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehen hat. Das ist gut so, auch wenn es erstmal ein Anfang ist. Von der Digitalisierung im Unternehmen zu sprechen ist oft nicht zwingend deckungsgleich mit dem, was man tatsächlich auch tut.
 
 

Die immanente Gefahr von Grossunternehmen

Der Grund, warum sich Grossunternehmen mit umfassenden Digitalisierungsbestrebungen oft schwertun, ist oft ein Monolith - oder gar mehrere Monolithen: Systeme der alten Softwaregeneration, auf denen ein grosser Teil des aktuellen Business fusst und welche nur unter immenser Kostenfolge abgelöst werden können. Diese Monolithen haben Grossunternehmen in den letzten Jahren dort geschadet, wo es in der heutigen Zeit am meisten weh tut: Bei der Geschwindigkeit und der Flexibilität. 
 
 

Umdenken

So allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass diese monolithischen Systeme in Zukunft zu vermeiden sind. Ich habe aktuell gerade recht viele Gespräche mit CIOs, die genau in diese Richtung gehen wollen; ein Zusammenspiel von spezialisierten Systemen soll es in Zukunft ermöglichen, einzelne Systemteile ohne riesige Kostenfolge schnell zu verändern, um im Business agil zu bleiben. 
 
 

Enterprise SaaS

Dass sich auch im Enterprise-Bereich Applikationen gerade in schneller Folge in die Cloud verlagern, unterstützt diese Entwicklung zusätzlich. Zudem werden Enterprise SaaS Angebote unter dem Strich in einem Teilbereich immer viel bessere Leistung erbringen können als monolithische Systeme. Sie müssen eben nicht die ganze Bandbreite an Anforderungen abdecken, sondern können sich auf einen vergleichsmässig kleinen Teil beschränken. Auf diesen kleinen Teil können auf Entwicklungsseite durch die Synergien der Cloud (und der vielen Kunden) viel mehr Ressourcen gebunden werden. Was daraus resultiert, sind Enterprise SaaS Lösungen, die um ein Vielfaches besser sind, als es monolithische Systeme je sein können. 
 
 

Brückenbauer APIs, «Quick-Fix» RPA

In der Folge wird die Integration von verschiedenen Lösungen immer wichtiger. Der rasante Erfolg vieler Enterprise-Service-Bus und Orchestration-/Prozess-Software-Anbietern ist kein Zufall. 
 
«Bei RPA geht es darum, Ihre digitalen Träume mit Ihren Legacy-Albträumen zu verbinden» 
(Cathy Tornbohm, RPA Analyst Gartner)
 
Nein, er ist die logische Folge von sich verändernden Architekturen, die immer mehr auf «Best-of-Breed-Teillösungen» basieren. Was ich auch immer öfter sehe ist, dass dort wo Integrationen zu teuer oder zu wenig schnell erfolgen können, RPA zum Einsatz kommt. Der Spruch von Cathy Tornbohm, er könnte nicht treffender sein. 
 
 

Auf «Nimmerwiedersehen», lieber Monolith

Für Software-Anbieter die monolithischen Produkte anbieten, ergibt sich daraus eine zweigeteilte Herausforderung. Die eine ist vergleichsweise einfach: Produkte modularisieren wo das möglich ist. Schon viele Hersteller sind auf diesem Weg unterwegs. Die zweite Herausforderung, sich auf einen Teilbereich zu spezialisieren, ist schon schwieriger. Nur globale, grosse Vendors werden es sich leisten können, verschiedene Teilbereiche parallel zu verfolgen. 
 
 

Entscheidender Nutzen für die Kunden

Der grosse Rest wird sich mit einem immer stärkeren und grösseren Konkurrenzangebot neuer hochspezialisierter Enterprise-SaaS-Vendors konfrontiert sehen. Für Sie als Kunden ist das ein positives Signal. Sie werden weiter günstiger und schneller zu Lösungen kommen, welche Sie wettbewerbsfähiger machen. Und darum, und nur darum, geht es am Schluss.
 
 
Alain Veuve ist ein Schweizer Unternehmer mit Fokus auf Technologie-Startups. Er begleitet und berät auch unterschiedliche internationale Unternehmen bei der digitalen Transformation. Heute ist Alain Veuve ein vielzitierter Thought-Leader für die digitale Transformation in Europa, der regelmässig als Referent an Konferenzen teilnimmt. Sein Blog, alainveuve.com, ist für Entscheidungsträger im Digitalen Bereich eine beliebte Quelle für Erkenntnisse. Alain Veuve schreibt regelmässig für verschiedene Publikationen.

Weitere Kolumne von Alain Veuve: Augen auf in der Softwarebranche!
 
 

 

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