Data-driven Business: von Datenseen zu smarten Entscheiden

In jedem Unternehmen fallen Unmengen von Daten an. Häufig liegen diese brach, aber könnten eigentlich als Basis für Entscheidungen z. B. bei der Akquisition und Gestaltung des Leistungsportfolios genutzt werden. In diesem Zusammenhang macht heute das Schlagwort «Data-driven Business» oder das «datengetriebene Unternehmen» die Runde.
 
 
(Bild: Andrey Popov / AdobeStock)
 
 
Bei Data-driven Business handelt es sich nicht um ein neues Produkt, Tool oder irgendeinen cloudbasierten Service. Es geht um eine Neuausrichtung des Businessmodells resp. um eine neue Form der Entscheidungsfindung auf der Grundlage von (datenschutz- und gesetzeskonform) gesammelten Daten. Nicht mehr das Bauchgefühl soll für eine Entscheidung im Business zählen, als Basis werden nun vorhandene Daten herangezogen. 
 
So gesehen ist das nicht ganz neu, denn viele Unternehmen entscheiden schon seit längerem häufig aufgrund von Daten, insbesondere im operativen Bereich. Man denke hier als Beispiel an die geographische Segmentierung einer Zielgruppe für Marketing-Kampagnen aufgrund von bestehenden Adressen oder an Lebensmittel wie z. B. Eiscreme, deren Produktion anhand des saisonal schwankenden Umsatzes optimiert wird.
 
 

Rohdaten werden zu smarten Daten

Wo liegt hier also der neue Denkansatz beim «Data-driven Business»? Die Grundlage ist die eingehende Datenanalyse, mit dem Ziel, einen Mehrwert aus den Daten zu erschaffen, um damit schneller als der Wettbewerb auf Veränderungen an der Kunden- und Marktfront zu reagieren und zu entscheiden. Daten werden zu wertschöpfungsgenerierenden Informationen und liefern in Echtzeit die Basis für optimierte Prozesse und Input für neue Geschäftsmodelle. Beispiele für ein solch neues Businessmodell sind elektronische Marktplätze wie Amazon, auf denen der Informationsaustausch zwischen Anbietern und Kunden stattfindet, der Plattformanbieter jedoch dafür entschädigt wird.
 
Um die gesammelten Daten entsprechend auszuwerten, klassifizieren, kanalisieren und kombinieren zu können, müssen auch die Geschäftsprozesse im Unternehmen angepasst werden. Dazu haben Unternehmen heute ausgeklügelte Technologien zur Verfügung. Mit dem Einsatz entsprechender Tools und Algorithmen aus dem Bereich der Datenanalyse und der Künstlichen Intelligenz können unterschiedliche Modelle und Optionen simuliert, Voraussagen getroffen und auf eine automatisierte Interaktion mit Kunden gesetzt werden
 
 

Das Potenzial der Daten erkennen

Dies setzt voraus, dass die Mitarbeiter das Potenzial der Daten erkennen, die Bereitschaft zu neuem Denken und Handeln mittragen und veränderte Rollen akzeptieren. Besonders gefordert sind hier Marketing & Sales; sind es doch gerade diese Bereiche, für die smarte Daten eine wichtige Grundlage der Marktbearbeitung bilden. Natürlich braucht es dazu die notwendigen Anwendungen und Prozesse zur Analyse und Transformation der Daten in Informationen. Die Transformation von Rohdaten zu smarten Daten ist ein erster, wichtiger Schritt – aber daraus neue Businessmodelle zu generieren ist die entscheidende Herausforderung. Smarte Daten liefern nicht nur wertvolle Erkenntnisse bei der Umsatzanalyse, sondern auch für die Anpassung der Unternehmensstrategie und Maximierung der Wertschöpfungskette. Um ein effektiv datenzentriertes Unternehmen zu werden, braucht es ein Businessmodell, das die Monetarisierung der Daten vorsieht.
 
 

Und wo stehen wir in der Schweiz?

Auch wenn unsere erste Studie vor zwei Jahren gezeigt hat, dass Data-driven Business noch nicht mit Priorität diskutiert wurde, so hat knapp die Hälfte der Unternehmen erkannt, dass der Wettbewerbsvorteil nicht nur von der Datensammlung abhängt, sondern von der Analyse und Umwandlung der Daten in wertschöpfungssteigernde Informationen.
 
Es ist nicht unbedingt notwendig, sich ausschliesslich an den grossen Unternehmen, Playern und Techriesen zu orientieren, um ein datengetriebenes Unternehmen zu werden. Entscheidend ist, dass - gerade auch im Zuge der neuen Normalität aufgrund der Pandemie – traditionelle Businessmodelle hinterfragt, Entscheidungsprozesse auf den Kopf gestellt und die Geschäftsstrategie nicht nur durch Bauchgefühle gesteuert wird.  
 
 

Die Autorin


Corinne Jost, Head of Marketing, MSM Research AG
 
 

 

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