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Digitale Ethik in der Führungsetage angekommen

Vier von fünf Personen berichten von Erfahrungen mit ethisch umstrittenen Projekten im Bereich des Datenmanagements. Das zeigt die Auswertung des «Stimmungsbarometers Digitale Ethik». Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Relevanz ethischer Geschäftspraktiken im digitalen Raum erkannt wird, insbesondere von der Geschäftsleitung.
 
Die meisten Unternehmen verfügen über Erfahrungen mit ethisch umstrittenen Projekten. Dies betrifft vor allem den Umgang mit Daten, zum Beispiel welche Datenauswertungen gemacht werden und wofür Kundendaten genutzt werden (84 %). Deutlich weniger verbreitet sind Massnahmen, die zur Überwachung der Mitarbeitenden beitragen, etwa die Analyse des E-Mail-Verkehrs oder der Einsatz umstrittener Technologien wie Gesichts- oder Stimmerkennung (31 %). (Grafik 1) 
 
 
 

Zunehmende Sensibilisierung

Unternehmen sind nicht nur sensibilisiert für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Die Umfrage zeigt, dass ethische Themen in mehreren Unternehmen bereits in interne Dokumente und Prozesse integriert wurden: Jede dritte Person gibt an, dass das Datenmanagement (39 %) sowie die Datenstrategie (34 %) entsprechende Vorgaben enthalten. Oft existiert sogar eine Ethik-Richtlinie (36 %) oder sie ist zumindest geplant (19 %). Generell bestätigt sich der Trend: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr Vorgaben existieren. Ausserdem wird, unabhängig von der Grösse, in vielen Unternehmen an ethischen Vorgaben gearbeitet.

 

Ethik wird zur Chefsache

Erfreulicherweise ist der Megatrend «Digitale Ethik» auf der Chefetage angekommen: Die Geschäftsleitung gehört zu den wichtigsten internen Befürwortern, wenn es darum geht, auch im digitalen Raum verantwortungsvoll zu handeln (46 %). Die wichtigsten Treiber in den Unternehmen sind aber Personen aus dem Datenschutz (64 %). Am unteren Ende befinden sich Personen aus dem Marketing (31 %). Dieser grosse Unterschied verdeutlicht, dass innerhalb eines Unternehmens auch Ziele verfolgt werden, die sich widersprechen. 
 
Dazu passt, dass für 27 % der Befragten nicht immer klar, ob die datenbasierten Innovationen wirklich ein Problem lösen und im Interesse der Kundinnen und Kunden sind. Innovationen sowie der Einsatz neuer Technologien sollten kein Selbstzweck sein. Auch deshalb lohnt es sich, Geschäftspraktiken mit internen Richtlinien in Einklang zu bringen, welche die Werte des Unternehmens widerspiegeln.
 
 

Investition in gute Kundenbeziehungen

Die Umfrage macht ersichtlich, dass Unternehmen die Erwartungen ihrer Kundinnen und Kunden ernst nehmen. Wer verantwortungsvoll mit Daten umgeht, investiert nicht nur in gute Kundenbeziehungen (72 %). Das Unternehmen kann sich auch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem es sich als vertrauenswürdiges Unternehmen positioniert (67 %), gerade angesichts ausländischer Konkurrenten. Eine weitere Motivation besteht in der Reduktion von Risiken (67 %). So lassen sich beispielsweise betriebliche Risiken vermeiden, wenn sichergestellt wird, dass keine Menschen durch den Einsatz von Algorithmen diskriminiert werden. Die innere Überzeugung ist bei rund der Hälfte wichtig (52 %), wobei dies für kleinere Unternehmen deutlich wichtiger ist als für grössere. (Grafik 2)
 
 
 

Wissensaufbau in den Unternehmen

Die Mehrzahl der Unternehmen sensibilisiert Mitarbeitende und Führungskräfte für ethische Themen oder es ist geplant. Immer grösserer Beliebtheit erfreuen sich auch Aus- und Weiterbildungen, besonders stark in grossen Unternehmen. Rund ein Drittel der Befragten sieht darüber hinaus grossen Handlungsbedarf beim digitalen Wissen. Denn nur wer sich mit der Digitalisierung auseinandersetzt, kann die damit verbundenen Chancen, Risiken und Nebenwirkungen erkennen – und verantwortungsvoll handeln. Digitales und ethisches Wissen aufzubauen lohnt sich nicht nur aufgrund der steigenden Erwartungen von Kundinnen und Kunden. Unternehmen können sich darüber hinaus auch als attraktiven Arbeitgeber positionieren, so ein weiteres Fazit der Studie.
 
 

Zur Studie

Das «Stimmungsbarometer Digitale Ethik» misst die digitale Verantwortung von Unternehmen in der Schweiz. Die Studie hat das Center for Digital Responsibility (CDR) zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) durchgeführt. Autorin ist Cornelia Diethelm, Studiengangsleiterin CAS Digital Ethics an der HWZ. An der Umfrage, welche von Mitte November bis Mitte Dezember 2020 durchgeführt worden ist, haben sich 254 Teilnehmende beteiligt. Zukünftig sind jährliche Durchführungen geplant. Für Interessierte steht die gesamte Studie als Download zur Verfügung.
 
 

Die Autorin

 
Cornelia Diethelm gestaltet den digitalen Wandel an der Schnittstelle von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft aktiv mit. Dazu gehört insbesondere der Aufbau des Centre for Digital Responsibility. Ziel ist es, Brücken zwischen der Wirtschaft und den Erwartungen der Gesellschaft zu bilden sowie strategische Trends frühzeitig zu erkennen. Dieses Wissen gibt sie auch als Studiengangsleiterin und Dozentin für Digitale Ethik an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) weiter. Ausserdem ist sie Mitinhaberin der Datenschutzpartner AG. www.digitalresponsibility.ch
 
 

 

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