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Wie man heute «de Meischter» macht

Die Höhere Berufsbildung ist ein enorm wichtiger und erfolgreicher Bestandteil des dualen Bildungssystems der Schweiz. Fachkräfte entwickeln ihre Kompetenzen über die Berufslehre in Verbindung von Schule und praktischer Berufsarbeit in der Höheren Berufsbildung weiter. Und auch ein Weg, um die Kompetenz zur digitalen Transformation ins Unternehmen zu bringen.
 
Vielleicht erinnern Sie sich an die früher gängige, immer auch mit einem hohen Mass an Respekt und Anerkennung verbundene Redewendung: «Er hät jetzt no de Meischter gmacht.», oder «de Buchhalter», «de Organisator», «de technisch Kaufmaa». Ja, es war die Zeit, also solche Bezeichnungen noch nicht gendergerecht angewendet wurden. Gemeint war aber immer, dass sich eine Fachkraft nach abgeschlossener Berufslehre und einiger Berufserfahrung für eine Weiterführung der dualen Bildung entschlossen hat, eine weiterführende Schule berufsbegleitend besucht und eine eidgenössische Prüfung erfolgreich bestanden hat. Die Grundidee ist geblieben, das duale Modell hat sich weiterentwickelt. Bei der Höheren Berufsbildung bleibt das Ziel, das Gelernte gleich in der Praxis einzusetzen und auszuprobieren. Erfahrungen können abgeglichen werden, dadurch entsteht nicht nur Wissen, sondern Fertigkeit, Kompetenz.
 
Wir kennen aus der obligatorischen Schule die Primar- und die Sekundarstufe I. Im überobligatorischen Bereich findet auf Sekundarstufe II eine Unterteilung zwischen beruflicher Grundbildung und allgemeinbildenden Schulen statt. Üblicherweise führt der Weg über die allgemeinbildenden Schulen (Gymnasien) in der Tertiärstufe an eine Universität oder Hochschule und zum akademischen Abschluss eines Bachelors oder Masters.

(Illustration: Partner & Partner)
 
 

Die Höhere Berufsbildung

Aber auch der Weg über die Berufslehre führt weiter. Die höhere Berufsbildung bildet zusammen mit den Universitäten und Fachhochschulen die Tertiärstufe des schweizerischen Bildungssystems.
 
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) schreibt auf seiner Website: «Die höhere Berufsbildung vermittelt Qualifikationen, die zum Ausüben einer anspruchs- und verantwortungsvollen Berufstätigkeit erforderlich sind. Sie versorgt die Wirtschaft mit ausgewiesenen Fachkräften. Jährlich erwerben rund 26'700 Personen einen Abschluss der höheren Berufsbildung. 
 
Berufsleuten mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder einem gleichwertigen Abschluss auf Sekundarstufe II ermöglicht die höhere Berufsbildung eine Spezialisierung und ein Vertiefen des Fachwissens. Ausserdem können Qualifikationen im Bereich der Unternehmensführung erlangt werden.
 
Die höhere Berufsbildung baut auf der beruflichen Erfahrung auf. Sie kombiniert Unterricht und Berufspraxis miteinander und stellt so das duale System der Berufsbildung auch auf der Tertiärstufe sicher. Die Ausbildung ist kompetenz- und arbeitsmarktorientiert; gefördert werden das anwendungsbezogene Lernen, die rasche Umsetzung neuer Fachkenntnisse und ein hoher Innovationsrhythmus. Damit versorgt die höhere Berufsbildung die hochspezialisierte Schweizer Wirtschaft mit qualifizierten Fachkräften.»
 
Die höhere Berufsbildung umfasst:
  • die eidgenössischen Prüfungen (Berufsprüfung und höhere Fachprüfung)
  • die Bildungsgänge an höheren Fachschulen (HF)
 
Es bestehen also zwei Möglichkeiten der Höheren Berufsbildung. Berufsprüfungen ermöglichen Berufsleuten eine erste fachliche Vertiefung und Spezialisierung nach der beruflichen Grundbildung in einem Beruf. Das Ablegen einer Berufsprüfung setzt eine mehrjährige Berufserfahrung im entsprechenden Berufsfeld voraus. Erfolgreiche Absolvierende erhalten einen eidgenössischen Fachausweis (z.B. «Applikationsentwicklerin mit eidgenössischem Fachausweis»). 
 
Höhere Fachprüfungen qualifizieren zum einen Berufsleute als Expertinnen und Experten in ihrem Berufsfeld. Zum anderen bereiten sie Absolvierende auf das Leiten eines Unternehmens vor.
 
Erfolgreiche Absolvierende einer höheren Fachprüfung erhalten ein eidgenössisches Diplom (z.B. «ICT-Manager mit eidgenössischem Diplom», «ICT Security Expert» oder «Expertin in Rechnungslegung und Controlling»).
 
 

Die Höheren Fachschulen

Berufsleuten mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder einer anderen gleichwertigen Qualifikation bieten die Höheren Fachschulen (HF) die Möglichkeit, einen eidgenössisch anerkannten Abschluss auf der Tertiärstufe zu erwerben. Pro Jahr erwerben rund 8500 Personen einen solchen Abschluss. Erfolgreiche Absolvierende eines Bildungsgangs HF erhalten ein Diplom und sind berechtigt, den entsprechenden Titel zu führen (z.B. «dipl. Wirtschaftsinformatikerin» oder «dipl. Betriebswirtschafter HF»). 
 
Die Bildungsgänge HF vermitteln den Studierenden Kompetenzen, die sie befähigen, in ihrem Bereich selbständig Fach- und Führungsverantwortung zu übernehmen. Sie sind praxisorientiert und fördern insbesondere die Fähigkeit zum methodischen und vernetzten Denken.
 
Die Ausbildung ist generalistischer und breiter ausgerichtet als bei den eidgenössischen Prüfungen. In der Regel sind die Absolvierenden von Bildungsgängen HF jünger als diejenigen, die eine eidgenössische Prüfung ablegen. Die Ausbildung wird häufig direkt oder innert drei bis vier Jahren nach Abschluss der Sekundarstufe II durchlaufen und dient als Grundstein der beruflichen Karriere.
 
Die verlangten Handlungskompetenzen werden durch die tragenden Wirtschaftsverbände festgelegt und in einem Rahmenlehrplan formuliert, das als Grundlage der Lehrpläne dient. Es ist also gewährleistet, dass die Wirtschaft jene Fachkräfte erhält, die sie benötigt. 
 
Wer schult, der prüft. Der Bildungspartner (Schule) ist gleichzeitig als Prüfungsorganisation akkreditiert. Die Absolvierenden einer Höheren Fachschule erwerben laufend ihre Qualifikationen. Dies geschieht überwiegend durch Transferleistungen in die berufliche Praxis, welche von den Dozierenden, teilweise unter Einbezug der Arbeitgebenden, bewertet werden.
 
Im Gegensatz zu den Fachhochschulen sind die Bildungsgänge HF inhaltlich auf ein engeres Fachgebiet fokussiert und weniger wissenschaftlich ausgestaltet (Quelle: SBFI).
 
 

HF Wirtschaftsinformatik

Die Schweiz ist der Wirtschaftsraum mit den 600'000 KMU. Sie alle erkennen die Chancen der Digitalisierung und die Notwendigkeit, die digitale Transformation zu fördern. Der Autor begleitet Unternehmen auf diesem Weg und kann dabei immer wieder feststellen, dass ein passender Schlüssel zum Erfolg darin liegt, bewährte und wertvolle Mitarbeitende weiterzuentwickeln. Die Affinität zur digitalen Welt, die Motivation und Entschlossenheit, das Unternehmen und sich selber voranzubringen, bilden die Grundlage. Das ausserordentlich auf Praxistransfer ausgerichtete und berufsbegleitend ausgestaltete Modell bringt sowohl den Studierenden als auch ihren Arbeitgebenden raschen Nutzen. 
 
In der sehr generalistisch ausgestalteten Höheren Fachschule für Wirtschaftsinformatik finden sich Personen unterschiedlichster beruflicher Vorbildung und Positionierung zusammen. Logistiker, Kaufleute, Mediamatikerinnen, Applikationsverantwortliche, IT-Koordinatoren, Informatikerinnen, Verkaufsfachleute, Projektleitende und Quereinsteigerinnen aus allen erdenklichen Fachrichtungen sind nur einige Beispiele. Sie alle finden zusammen, um die Kompetenzen zu erwerben, welche die digitale Transformation voranbringen wird. Weil aus dem Sachbearbeiter ein Spezialist für ERP wird, sich die Mitarbeiterin im Schulsekretariat zur Fachkraft des Medieneinsatzes in Schulbetrieb und Unterrichtsgestaltung weiterbildet, aus dem Vorarbeiter im Logistikzentrum der Verantwortliche für die ICT wird usw., gehen diese geschätzten Mitarbeitendem der Firma nicht verloren, sondern entwickeln sich in einer Art und Weise weiter, um entscheidende Beiträge zur Zukunftsgestaltung des Unternehmens zu leisten.
 
Der Abschluss einer Höheren Fachschule bildet für sich eine hervorragende Qualifikation. Er öffnet ambitionierten Absolvierenden aber auch zahlreiche Türen und Passerellen zu Fachhochschulen und einem anschliessenden Bachelor-Abschluss.
 
Weitere Informationen:
 
 
 
Für über 1000 Mitglieder vertritt VIW Wirtschaftsinformatik Schweiz die Interessen der Wirtschaftsinformatik gegenüber Wirtschaft, Politik und Berufsverbänden. Kernanliegen sind Förderung und Sicherung der Ausbildung sowie Wahrung des Berufsstands in der Schweiz. Interessierte an der Ausbildungswelt für Wirtschaftsinformatik finden bei der Geschäftsstelle unverbindliche Beratung. www.viw.ch
 
 

Der Autor

Reto De Martin ist Inhaber und Geschäftsleiter des Beratungsunternehmens Force4project GmbH und Geschäftsleiter von VIW Wirtschaftsinformatik. Das Engagement für unternehmerische Nutzung von ICT und die Ausbildung entsprechender Fachkräfte bildet den Schwerpunkt seines Wirkens.
 
 

 

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