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Mit E-Learning zum neuen ERP

Eine neue Business-Software oder ein Online-Shop ist ein Schritt in der digitalen Transformation. Doch wo holen Sie das Fachwissen, um bei diesem Schritt nicht zu stolpern? Digitalisierung ist Pflicht. So viel dürfte jedem KMU klar sein. Doch die Umsetzung in die Praxis steht in einem anderen Buch – immerhin, vielleicht steht sie ja dort tatsächlich? Dazu gleich mehr.

 

 

Wenn ein Unternehmen ein neues ERP, einen Online-Shop oder irgendeine andere Business-Software einführen will, ist das nicht eine rein technische Frage. Genauso wichtig wie die IT-Aspekte sind die Geschäftsprozesse, die eine solche Migration tangiert. Wenn Kunden online bestellen, verändert das den Bestellvorgang. Vielleicht lassen sich einzelne Schritte automatisieren, beispielsweise die Rechnungstellung. Oder aber, der ganze Bestellvorgang muss hinterfragt werden, weil die Kunden eine schnellere Lieferung erwarten als bisher.

Im Netz des Wissens

Doch wie anpacken? Woher das Know-how für einen solchen Transformationsprozess holen? Und welche Fragen muss sich ein Geschäftsführer dabei stellen? Damit sind wir wieder bei den Büchern respektive deren modernen digitalen Artgenossen. Denn das Internet ist eine riesige Wissensquelle in Form von E-Learning-Angeboten, Fachmagazinen und handlichen Zusammenfassungen von Fachbüchern. Eine kleine Warnung vorneweg: Gute Englischkenntnisse sind hilfreich, um diese Quellen anzuzapfen. Viele Online-Kurse stammen von US-Universitäten und sind entsprechend auf Englisch gehalten.

Der grosse Vorteil: Zahlreiche Online-Lernplattformen bieten Kurse zum Selbststudium an. Die Themen reichen vom multimedial aufbereiteten Mathematik-Lehrgang einer Universität über Office-Kurse bis hin zu Selbstmanagement-Methoden und eben Digitalisierungs-Themen. Die meisten Angebote lassen sich im eigenen Rhythmus und Tempo absolvieren und zu einer selbstgewählten Zeit. Das ist im hektischen Berufsalltag wichtig. Trotzdem sollten Sie sich möglichst fixe Zeiten reservieren. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Motivation abnimmt, je länger Sie einen Kurs «verschleppen».

Das passende Angebot finden

Die zahlreichen E-Learning-Plattformen bieten diverse Lehrgänge zu Themen rund um die digitale Transformation an bis hin zu Online-Marketing und ERP-Schulungen. Die Kurse reichen von Grundlagen wie «New Technologies for Business Leaders» bis hin zu praxisbezogenen Lehrgängen wie «Digital Transformation» inklusive Framework für die Umsetzung in der eigenen Firma (www.coursera.org).  

Während diese beiden Angebote von Coursera englisch gehalten sind, bietet Udemy zahlreiche Kurse auf Deutsch an. Unternehmen, die ihre Online-Aktivitäten beispielsweise mit einem neuen Shop verstärken, finden hier zahlreiche Marketing-Kurse. So etwa zu Social-Media-Trends 2018 oder der «Digital Marketing Masterclass» (www.udemy.com).

Das breite Angebot kommt auch hiesigen KMU zunutze, etwa für die Weiterbildung der Mitarbeitenden. Denn Lücken insbesondere im IT-Fachwissen lassen sich so mit wenig Aufwand stopfen. Oder der Excel-Crack im Team erweitert seine bestehenden Fähigkeiten und kann anschliessend die Tabellenkalkulation auch als Analysetool nutzen.

Die Geschäftsmodelle der E-Learning-Anbieter variieren: Bei manchen sind die Kurse kostenlos, aber das Zertifikat will bezahlt sein. Andere verlangen einen Beitrag pro Lehrgang, und Lynda.com verfolgt ein Abo-Modell. Alle Plattformen können aufgrund des riesigen Angebots aber Lust auf mehr machen. Weshalb nicht in der Freizeit auf edx.org Mandarin lernen?

Gesucht: Selbstdisziplin

Der grösste Nachteil des Selbststudiums mit E-Learning liegt im Kampf mit der Selbstdisziplin. So tief die Einstiegshürde ausfällt, so einfach ist es auch, einen Kurs wieder zu verlassen, wenn die Motivation schwindet. Ein Teilnehmer muss sich deshalb selbst Anreize schaffen und Ziele setzen, um die Motivation aufrechtzuerhalten.

Darin unterscheidet sich E-Learning entscheidend von klassischen Lehrgängen an einem Weiterbildungsinstitut oder einer (Fach-)Hochschule. Präsenzunterricht im Klassenzimmer ist zwar zeitlich fixiert und oft mit Reiseaufwand verbunden. Doch die soziale Kontrolle der Lernenden untereinander und vor allem der gegenseitige Austausch erhöhen die Motivation zum Lernen. Online ist ein Austausch, wenn überhaupt, dann nur in Diskussionsforen möglich. Wahrscheinlich werden Sie beim E-Learning Ihre eigenen Fragen mittels Suchmaschine beantworten müssen, wenn sich die Lösung nicht aus dem Kurs heraus ergibt.

Ein reales Zusammentreffen bietet die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Dieser Aspekt einer Weiterbildung ist oft genauso wichtig wie der eigentliche Kursinhalt: Wir lernen im Austausch viel von unseren Leidensgenossen. Das gilt auch für die Projektarbeit mit einem IT-Dienstleister.

Lernen im Schlaf?

Das berühmte Buch unter dem Kopfkissen bleibt wohl – nun ja, ein Traum. Doch mit diesen Tipps vereinfachen Sie das Lernen und eignen sich Wissen quasi nebenbei an.

  • Nutzen Sie «tote» Zeit: Wenn Sie zur Arbeit pendeln, leistet Blinkist gute Dienste: Dieser kostenpflichtige Dienst bietet rund 15-minütige Zusammenfassungen von Fachbüchern auch zur digitalen Transformation. Im Zug können Sie beispielsweise «Der Bauplan für den digitalen Wandel» von Alan Trefler auf dem Smartphone lesen. Und da die Zusammenfassungen oft auch als Hörbuch vorliegen, eignet sich Blinkist (www.blinkist.com) genauso gut im Auto.
  • Zapfen Sie bestehendes Wissen an: Gerade jüngere Mitarbeitende sind routiniert im Umgang mit digitalen Technologien. Wenn Sie beim Aufbau eines Online-Shops die «Customer Journey» planen, also das Einkaufserlebnis, können Sie auf die Erfahrungen der digital affinen Mitarbeitenden bauen.
  • Lesen Sie Fachmagazine: Ebenfalls gut für die Zeit im ÖV eignen sich Artikel aus Fachmagazinen. Wenn Sie nicht selbst nach geeigneten Artikeln suchen müssen, nutzen Sie Empfehlungsdienste wie refind.com.
  • Halten Sie einen Notizblock bereit: Notieren Sie darauf Ihre persönlichen Fragen, Vertiefungen, Erkenntnisse und wichtigen Stichworte während eines Online-Kurses. Ob das Notizbuch auf Papier oder digital ist, ist allein eine Frage Ihrer Vorlieben.

 

 

E-Learning-Plattformen im Überblick

Eine Auswahl an grösseren Online-Lernplattformen. Das Kursangebot stammt überwiegend aus dem naturwissenschaftlichen und technischen Bereich.

Alison 

Rund 750 Kurse, überwiegend auf Englisch; kostenlos, für Zertifikate und Diplome fallen Kosten an.

Coursera 

Rund 1600 Kurse, überwiegend von US-amerikanischen Universitäten und auf Englisch; meist kostenlos, für Zertifikate fallen Kosten an.

EdX.org 

Rund 1300 Kurse, überwiegend von US-amerikanischen und australischen Universitäten und auf Englisch; kostenlos, für Zertifikate und zertifizierte Lehrgänge fallen Kosten an.

Khan Academy 

Keine Angaben über Anzahl Kurse, überwiegend von US-amerikanischen Universitäten und Institutionen, teilweise auf Deutsch übersetzt; kostenlos (Nonprofit-Organisation).

Lynda.com 

Rund 5500 Kurse aus verschiedenen Quellen, teilweise auf Deutsch; Abo-Modelle ab rund 20 Franken pro Monat.

Microsoft Virtual Academy 

IT-Kurse rund um Microsoft-Produkte und -Software für verschiedene Zielgruppen, teilweise auf Deutsch; kostenlos.

Udemy 

Rund 42'000 Kurse zu IT- und Design-Themen aus verschiedenen Quellen, teilweise auf Deutsch; Preise zwischen rund 15 und 200 Franken pro Kurs.

 

Der Autor

Julian Deb, Swisscom (Schweiz) AG

Bei Swisscom (Schweiz) AG leitet Julian Deb den ISV-Squad im Partner-Sales-Management. Er ist verantwortlich für die Akquise und Betreuung der ISVs (Independent Software Vendors) und den Ausbau der bestehenden Partner. Julian Deb hat einen Bachelor in Informatik und ein MBA in General Management. 

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