E-Commerce ≠ Webshop

Ob B2B, B2C, D2C – Im Jahr 2022 hat niemand auf Ihren Webshop gewartet. Und trotzdem ist E-Commerce für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Eine E-Commerce Strategie muss jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, dass man einen eigenen Webshop betreiben muss.
 
Gemäss einer länderübergreifenden Studie von ZHAW, MCI & Handelsverband konnten die Webshops in der Schweiz nicht nur Neukunden gewinnen, sondern verzeichneten auch eine höhere Bestellfrequenz und ein Umsatzwachstum. 
 
Corona war ein Katalysator und hat gewissen E-Commerce Unternehmen die gewünschten Umsätze gebracht. In der Vergangenheit haben viele Webshops zwar gute Umsätze generiert, aber ohne Gewinn. Nun haben sich viele Webshops bei den Kunden etabliert und wurden für ihren Fokus auf E-Commerce belohnt. 
 
 
 
 

Das pöhse Internetz

Der Webshop ist ein Vertriebs-Kanal, der bereits in die Jahre gekommen ist: Im Oktober 1995 ging Amazon live! Wurden Webshops Ende der 90er und Anfang der Nuller-Jahre von den etablierten Firmen noch als Spielplatz von Freaks belächelt, haben sie in den 2010er Jahren aufgerüstet, nachgezogen und mit Omni- und Multichannel neue Varianten etabliert. 
 
Währenddessen haben sich aber viele KMU weiterhin schwer mit der Entscheidung getan. Gewisse Anbieter glaubten sogar, dass E-Commerce für alle anderen relevant sei, nur nicht für sie. Jahrelang haben sich diese im Erfolg gesonnt und bemerkten nicht, dass sie bei den Kunden langsam irrelevant werden.
 
Andere haben sich im Aktivismus einen Webshop bei einer Webagentur bauen lassen und mussten merken, dass ein technisches Tool nicht reicht. Jeder Vertriebskanal braucht Werbung, Aktivitäten und ein Sortimentsmanagement. Dieses Kanal Know-how ist im Unternehmen und bei vielen Webagenturen meist schlichtweg nicht vorhanden. 
 
«Das ‹pöhse Internetz› ist gekommen und hat alles kaputt gemacht». So könnte man Presseberichte über Ladenschliessungen interpretieren. Dass dabei eine Strategie für die digitale Welt gefehlt hat, wird gerne verschwiegen. E-Commerce hat sich die letzten 25 Jahre weiterentwickelt und so muss jedes Unternehmen seine E-Commerce Strategie immer hinterfragen und regelmässig neu ausrichten.
 
«Eine E-Commerce Strategie bedeutet nicht, dass man einen eigenen Webshop betreibt.»
 

Webshop-System und Design sind unwichtig!

Bei der Strategie sollte das Unternehmen eine Definition für sein aktuelles und künftiges Geschäftsmodell entwickeln. Irrelevant sind Fragen nach dem Webshop-System oder wie der Shop aussieht. Vielmehr braucht es eine kundenzentrierte Herangehensweise und ein Verständnis der eigenen Systeme, deren Fähigkeiten und der darin enthaltenen Daten.
 
Wichtig ist auch, wie man mit bereits existierenden Marktlösungen umgeht, es gibt genügend Alternativen zum eigenen Webshop. Sei es eine Präsenz auf einem Marktplatz wie Brack oder Amazon, ein Kundenportal mit Bestellarchiv und Garantieübersichten, ein Konfigurator mit Bestellformular etc. Wollen Ihre Kunden überhaupt bei Ihnen einkaufen? Wenn ja, was?
 
«Um in der digitalen Transformation tatsächlich vorwärtszukommen, reicht es eben nicht, nur einen E-Shop aufzubauen. Stattdessen braucht es eine Gesamtbetrachtung über die Prozesskette hinweg.» 
Daniel Fiechter, Dozent FFHS im MAS Industrie 4.0 und Group CIO Stobag
 
 

E-Commerce, nicht Webshop!

E-Commerce beschleunigt in jedem Unternehmen alle Prozesse und muss daher zentral und nicht isoliert als Webshop-Lösung betrachtet werden. Sei es das Pricing, die Lieferketten, das Produktmanagement oder das Marketing. Nichts bleibt unberührt – die E-Commerce Strategie übersteuert und verändert ganze Abteilungen. 
 
Kein Unternehmen verdient heute sein Geld wie vor 30 Jahren. Daher gilt es auch das Bewusstsein zu schärfen, dass Geschäftsmodelle eben nicht starr sind, sondern man agil handeln muss. Auch hier ist es kein Prozess mit einem fixen Ende. Was gestern das Unternehmen gross gemacht hat, kann es morgen wieder klein machen. E-Commerce nicht zu beachten führt zu einem baldigen Ende – ein eigener Webshop vielleicht auch.  
 
 
 

Der Autor

 
 
Kevin Klak unterstützt Unternehmen im Spannungsfeld der Digitalisierung mit Fokus auf strategische Konzeption und Umsetzung. Sei es als unabhängiger Beirat für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat oder ad Interim in der Umsetzung von strategischen Projekten. 
Er ist Mitglied des unabhängigen Experten-Netzwerks «digitalrat». www.digitalrat.ch
 
 

 

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