Automatisiertes Fahren: Realität in Schaffhausen

24.07.2023
3 Min.
Selbstfahrende Busse: Was wie Zukunftsmusik klingt, wurde am 28. April 2023 in Schaffhausen Wirklichkeit. Der Verein Swiss Transit Lab startete mit der «STL Linie 13» eine öffentliche Busverbindung zwischen dem Bahnhof Schaffhausen und dem neu entwickelten Quartier Stahlgiesserei. Zum Einsatz kommt ein autonom fahrender elektrischer Kleinbus, der auch manuell gesteuert werden kann, diese Dual-Mode-Technologie ist eine Premiere in der Schweiz. Beim Launch-Event Ende März 2023 waren auch wir dabei.
 
 
Der Verkehr mit autonomen Fahrzeugen gilt für viele als Modell der Zukunft. Diese Technologie verspricht weniger Staus, weniger Emissionen und weniger Unfälle. Noch sind jedoch einige Hürden zu bewältigen, aber die Fortschritte in der Technologie sind markant.
 
Die Initiative Swiss Transit Lab (STL) beschäftigt sich seit Jahren mit den Möglichkeiten eines Einsatzes von selbstfahrenden Bussen im öffentlichen Verkehr. In Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben Schaffhausen startete bereits 2018 ein Pilotbetrieb auf der Linie 12, welche als touristisches Angebot am Rheinfall unterwegs war.
 

Dual-Mode-Betrieb als Premiere

Doch nun wagt das STL den nächsten Technologieschritt: Anders als auf der Linie 12 setzt der Verein nun auf ein handelsübliches Elektrofahrzeug der Marke Toyota, welches mit Sensor- und Aktor-Technologie sowie Software für automatisiertes Fahren des finnischen Startups Sensible4 ausgestattet ist und sich für den Dual-Mode-Betrieb eignet: Es kann automatisiert oder manuell gefahren werden. Vorerst wird immer ein Sicherheitsfahrer im Einsatz sein, der notfalls eingreifen kann.
 
Über 70 Gäste aus Industrie, Wirtschaft und Medien sowie Partner und Beteiligte trafen sich Ende März 2023 zum Auftaktevent in der Rhyality Immersive Art Hall in Neuhausen am Rheinfall. Mit dabei waren zum Beispiel der Schaffhauser Regierungsrat Martin Kessler und der Direktor des Bundesamts für Strassen (ASTRA) Jürg Röthlisberger.
 
Als Highlight der Veranstaltung wurde als Weltneuheit eine erste virtuelle Fahrt präsentiert. Dabei konnten die Gäste aus der Perspektive der Passagiere die Strecke sowie die visualisierten Sensordaten des automatisierten Fahrzeuges in einer 360-Grad Präsentation erleben. Ein echtes Erlebnis der Mobilität der Zukunft.
 

Interview mit Dirk Apel

Wir haben uns bei dieser Gelegenheit mit Dirk Apel unterhalten, dem Vizepräsidenten von Swiss Transit Lab und Geschäftsführer des IT-Spezialisten Batix Schweiz AG.
 
«STL Linie 13» ist ein faszinierendes Projekt. Das automatisierte Fahrzeug wird jedoch nur an den Wochentagen zwischen 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr in Betrieb sein, der Betriebsmodus werde aber weiterentwickelt. Was bedeutet das?
 
Einerseits sind wir gemäss den Auflagen der Behörden angehalten, uns schrittweise an den Mischverkehr heranzutasten. Das heisst, dass wir am Anfang ausserhalb der Stosszeiten unterwegs sein werden und uns danach in die Rush-Hour wagen. Auch möchten wir den Dienst mit den Benutzern gemeinsam ausbauen. Dafür werden wir ein innovatives Umfragetool einsetzen. 
 
 
Im Moment ist das Fahrzeug recht langsam unterwegs, kann sich also noch nicht in den Verkehrsfluss einfügen. Ist das Produkt also bloss für Fussgängerzonen ausgelegt?
 
Nein, das Fahrzeug ist für den regulären Strassenmischverkehr ausgelegt. Zu Beginn ist die Geschwindigkeit des Fahrzeugs vom Bundesamt ASTRA auf 30 km/h begrenzt. Auch mit diesem Tempo können Erkenntnisse gesammelt werden, welche die Basis für höhere Geschwindigkeitszulassungen bilden. Bisherige Pilotprojekte in der Schweiz waren bzw. sind mit Höchstgeschwindigkeiten von 22 km/h und einem Durchschnitt von ca. 10 km/h deutlich langsamer unterwegs.
 
 
Ihr IT-Unternehmen Batix hat ebenfalls intensiv am Projekt mitgearbeitet. Wie viele Leute waren daran wie lange beteiligt?
 
In meiner Rolle als Vize-Präsident des Swiss Transit Lab begleite ich das Projekt auf technischer Ebene. Vom Swiss Transit Lab und über alle Partner haben mehr als 20 Personen über zwei Jahren an dem Projekt mitgearbeitet. Die Batix hat zusätzlich wichtige Bausteine für den Betrieb des Fahrzeugs geliefert, zum Beispiel Lösungen für Digital Signage im Fahrzeug, eine Software für die Durchführung von Umfragen und die App für die Rapporte der Sicherheitsfahrer.
 
 
Spekulative Frage: Bis wann sehen Sie einen flächendeckenden Einsatz von selbstfahrenden Bussen in der Schweiz als realistisch?
 
Projekt helfen wir, den Prozess zu beschleunigen, so dass selbstfahrende Busse in den nächsten Jahren zunehmend zu unserem Mobilitätsalltag gehören werden.
 
 
Dirk Apel, vielen Dank für das interessante Gespräch.
 
 

Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 23-2

 

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